Als ich kürzlich erwähnte, dass ich am 14. Juli an einem Online-Workshop der ICESCO teilnehmen darf, fragte mich meine Mitarbeiterin: „Die ICESCO – was ist das eigentlich?“
Eine berechtigte Frage. Denn während die UNESCO im deutschsprachigen Raum jedem Kind ein Begriff ist, kennt ihre islamische Schwesterorganisation hierzulande kaum jemand. Grund genug, sie in meinem Blog kurz vorzustellen.
Was ist die ICESCO?
Die ICESCO (Islamic World Educational, Scientific and Cultural Organization) ist eine internationale Regierungsorganisation, die sich den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Kultur widmet.
Sie wurde 1982 in Fès (Marokko) als Sonderorganisation der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) gegründet – zunächst unter dem Namen ISESCO – und trägt seit ihrer Umbenennung im Jänner 2020 den heutigen Namen.
Strukturell ist sie die Entsprechung zur UNESCO für die islamische Welt und wird häufig auch so bezeichnet. Ihr gehören 53 Mitgliedstaaten an, verteilt auf vier Regionen: Afrika, die arabische Welt, Asien und Lateinamerika.
Der Hauptsitz der ICESCO befindet sich in Rabat, Marokko.
Auch der institutionelle Aufbau folgt internationalem Standard: Eine Generalkonferenz als oberstes Organ, ein Exekutivrat mit Vertretern aller Mitgliedstaaten und ein Generaldirektorat, das die laufenden Geschäfte führt.
Beeindruckende Zahlen:
Die Dimension der Arbeit wird an einigen Kennzahlen deutlich. Nach eigenen Angaben führt die ICESCO über 5.000 Veranstaltungen durch – Konferenzen, Workshops und Symposien –, verzeichnet jährlich rund 100.000 direkte Begünstigte, betreut 237 islamische Welterbestätten und hat mehr als 300 Kooperationsabkommen abgeschlossen.
Bemerkenswert sind auch die spezialisierten Zentren der Organisation, etwa für Künstliche Intelligenz und strategische Vorausschau (Foresight), für den Dialog der Zivilisationen, für Übersetzung sowie für die arabische Sprache für Nicht-Muttersprachler. Die ICESCO ist damit keineswegs eine rein traditionsorientierte Einrichtung, sondern greift sehr bewusst Zukunftsthemen auf.
Eine europäische Einordnung:
Die ICESCO ist eine legitime und anerkannte internationale Regierungsorganisation mit mehr als vierzigjähriger Geschichte. In ihrem geographischen und kulturellen Wirkungskreis – der islamischen Welt, dem Nahen Osten, Nordafrika sowie Teilen Asiens und Afrikas – ist sie renommiert und politisch relevant. Sie kooperiert im Übrigen auch mit der UNESCO und weiteren Einrichtungen auf UN-Ebene.
Aus europäischer bzw. westlicher akademischer Perspektive ist sie deutlich weniger präsent als die UNESCO – unwichtig ist sie deshalb aber keineswegs.
Für alle, die in der internationalen Bildungszusammenarbeit, im Kulturerbe-Bereich oder in der Hochschulpolitik mit Bezug zu den Mitgliedstaaten tätig sind, ist die ICESCO ein gewichtiger Ansprechpartner.
Eine Einladung zu einem ihrer Workshops darf man daher durchaus als Auszeichnung verstehen.
Ich freue mich jedenfalls sehr auf den Workshop am 14. Juli – und werde an dieser Stelle gerne davon berichten.
Mehr zur ICESCO: https://icesco.org/en/






